Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer
research and writings on art, architecture and politics


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CRUISING
Architektur, Psychoanalyse und Queer Cultures

Helge Mooshammer
Wien u.a.: Böhlau 2005, ISBN 3-205-77294-6
www.boehlau.at

'Cruising’, ein Synonym für das Herumstreifen auf der Suche nach sexuellen Abenteuern, verschiebt wie beiläufig die gesichert geglaubte Identität von Räumen und lässt im Verdeckten andere Bedeutungen entstehen: In stilisierenden und erotisierenden Blicken, in den kurzen Begegnungen von Körpern und Phantasien bilden sich flüchtige, ständige erneuerte Momente von Beteiligung und Kontakt.

Dieses kulturelle Potenzial von Cruising führt den Diskurs um die Hegemonie von Sichtbarkeit in der Wissensgeschichte der Moderne an neue Schauplätze und beschreibt die Möglichkeiten für ein zunehmenden Begehren nach dem Unsichtbaren als dem Unbekannten, nach Formen seines Erlebens außerhalb der bezeichneten, materiell repräsentierten Bahnen.



PDF
Kapitel 2: Dunkle Gegenden



Review

Rezension von Peter F. N. Hoerz
in: Historische Literatur, Rezensionszeitschrift von H-Soz-u-Kult, Band 5, 2007, Heft 4, Oktober - Dezember, Franz Steiner Verlag, S. 512-515

online: H-Soz-u-Kult, 24.10.2007


Rezension von Ralph Poole
in: PhiN. Philologie im Netz, 47/2009
S. 57-63

online: PhiN 47/2009, 15.01.2009



Aus dem Vorwort (S. 7-9):

"...

Zur Politik der Sichtbarkeit in den Produktionen von Wissen

Eines der auslösenden Momente für das vorliegende Buch bildet ein Begehren nach einem wirksamen Zusammenbringen von Architektur und deren Diskurs mit den alltäglich erfahrenen Realitäten von Raum. Dieses Begehren gründet auf einem zunehmenden Unbehagen mit dem alle Aspekte der Produktion und Diskussion von Architektur dominierenden Regime von Sichtbarkeit, das keinen Raum für die Komplexitäten von widersprüchlichen Kulturen und diffusen Subjekten lässt. Vielmehr forciert diese Reduzierung der Bedeutung von Architektur auf ihre Repräsentationsebene eine Exklusivität von Architektur als Konsumprodukt einer hegemonialen Kulturschicht. Ein Versuch der Ausweitung der Relevanz von Architektur erfordert nicht nur eine Erweiterung des Kreises der Beteiligten sondern auch eine Verschiebung der Aufmerksamkeit von der Oberfläche optisch wirksamer Materialien auf die Bedeutungen des Erlebens von architektonischen Räumen.

Die damit verbundene Suche nach alternativen Narrativen bezieht ihre Impulse aus einem innerhalb Visueller Kultur formulierten Verständnis, das den Gegenstand seiner Forschung im Aufsuchen und Befragen einer Vielzahl an Schauplätzen und Blicklagen hervorbringt. Eine solche Betonung des Performativen bringt Architekturen hervor, die nicht über die Summe ihrer analysierten Bauelemente zu verstehen sind. Ihre Räume entstehen in einer ständig neu aufgeführten Begegnung von subjektiven Geschichten. Cruising beschreibt hier eine Weise der Annäherung, die uns zu einer anderen Vorstellung von Architektur führen kann: seine Orte bedürfen nicht unbedingt visuell-materialisierter Repräsentation, oftmals sind sie dunkel, verschwommen und ‚nicht-sichtbar’. Sie entfalten sich in der körperlichen Aufführung der Begehren und Imaginationen seiner Beteiligten.

Das vorliegende Buch untersucht in drei thematisch gegliederten Kapiteln die Bedeutung des Sichtbaren und seine Verankerung in der Wissensgeschichte der Moderne um in der Folge alternative Modelle der Wissensproduktion vorzuschlagen. Den Ausgangspunkt dazu bildet eine Beschäftigung mit der Entwicklung der Psychoanalyse, die sich grundsätzlich um die Beziehungen zwischen dem Sichtbaren und seinem vermeintlichen Gegenüber, dem Unsichtbaren bemüht und sich für eine Vermittlung dieser Beziehungen räumlich-topographischer Metaphern bedient. In der Wechselwirkung von Sichtbarem und Unsichtbarem, Bewusstem und Unbewusstem spielen Phantasien, Projektionen und ihre Vermischung von Realem und Fiktivem eine zentrale Rolle: Anhand der Dekonstruktion der Verwicklungen von Freuds berühmter Analyse der „Gradiva“ wird der detektivischen Natur von Erkenntnismodellen der Moderne nachgespürt. Der Fall des (verlorenen) Wiener Paradeisgartls, seiner Geschichte und Geschichten als aktuellem Schauplatz für den Austausch von kulturellem Material, Traumata und Phantasien, führt in eine vertiefte Diskussion über das Potenzial der Vorstellung von Wechselbeziehungen zwischen sichtbarer Oberfläche und verborgenen, jedoch im Untergrund fortwirkenden Dynamiken.

Ein wesentliches Motiv in dieser Kritik von Sichtbarkeiten bietet ein zunehmendes Begehren nach dem Unsichtbaren als dem Unbekannten, den Möglichkeiten seines Erlebens außerhalb der bezeichneten, materiell repräsentierten Bahnen. Die Praxis des Cruisings, der Suche nach anonymen sexuellen Abenteuern im öffentlichen Raum, erweist sich hier als ein vielfach anvisiertes Feld von Kulturwissenschaften und Queer Studies der letzten Jahre: Im Involvieren von Körper und Sexualität scheint es über das besondere Vermögen zu verfügen, Räume ohne den Zusatz materieller Objekte und Artefakte in gänzlich andere Bedeutung überführen zu können. Architekturprojekte, die versuchen, diese Qualitäten von Cruising in gebaute Räume zu transformieren, machen die bedeutungsschaffende Wirkung der subjektiven, körperlichen Verwicklung in der Produktion von Raum deutlich: Cruising lässt sich nicht vom Einsatz subjektiver Phantasien und deren eigenen zeitlichen und räumlichen Dimensionen, ihren körperlichen Vergangenheiten und Rhythmen, losgelöst in funktionale Programme übersetzen.

Die Problematik des Übersetzens von Kultur in gebauten Raum führt damit zu der generellen Frage der Rolle von Architektur in den Prozessen der Wissensproduktion und den damit verbundenen Akten des Beschreibens und Repräsentierens. Entlang aktueller Strömungen im internationalen Architekturgeschehen (Versioning, E-motive Architecture, etc.), die auf Konzepten der Mimesis, des Kopierens, Nach-Außen-Stellens und morphogenetischen Nachahmens von Leben gründen, werden die Limitationen untersucht, die sich aus dieser Gleichsetzung von Wissen und Sichtbarkeit ergeben. Konzepten einer kontrollierenden Darstellung von Leben und seinen Dynamiken werden Konzepte einer Architektur gegenübergestellt, die nicht gleich dem Leben zu sein versucht, sondern die grundsätzliche Unüberbrückbarkeit von Differenz anerkennt. Das Verhältnis zu diesem Anderen eröffnet sich in den Lücken zwischen uns und dem gebauten Raum. Das dritte Kapitel skizziert hier Wege, in denen Architektur die Rolle übernimmt, uns in diese Lücken und Zwischenräume zu verführen: ein Abrücken von Gestaltung, die sich aus der Perfektion von eindeutigen Analysen und darauf begründeten Formeln und Programmen herleitet, zugunsten einer Sensibilität für die räumlichen Qualitäten des Skriptlosen und Unfertigen im kulturellen Erleben. Architektur ist damit weniger eine Repräsentation von Leben, als vielmehr ein Effekt der Archive, in denen unser Begehren und unsere Körper verortet sind.

Die Praktiken von Cruising führen so in der Diskussion des Dogmas des Sichtbar-Machens in der Tradition der westlichen Wissenschaft zu einer Betonung von subjektiver Verwicklung. Bedeutungen resultieren weniger aus der Interpretation von Material als aus der damit agierenden Performanz des Subjekts. Für die dem entsprechenden Theorien einer Relationalen Architektur ist Material immer gleichzeitig ein Material des Lesens und des Produzierens und somit nur in seinem Bezug zu einem nicht bestimmbaren Erleben von Raum verstehbar. Dieses Buch folgt einem Cruising durch die Felder von Architektur, Psychoanalyse und Queer Cultures, in dem ein wiederholtes Aufsuchen scheinbar bekannter Stellen zu immer neuen Begenungen führt.

..."




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Cruising:
Architektur, Psychoanalyse und Queer Cultures
Visuelle Kultur:
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Die virtuelle Dimension:
Architektur, Subjektivität und Cyberspace